Inspiriert von einer Interviewpartnerin, die uns Twitter als Teil ihres Lernnetzwerks vorstellte, meldete ich mich als neue Mikrobloggerin an. Die erste Hürde bestand darin, mir einen Nutzernamen zu geben: authentisch sollte er sein, aber mein Vor- und Nachname waren schon von  einer anderen Joanna Burchert in Beschlag genommen. Ich wählte also die fesche Abkürzung @jo_burchert und machte mich ans Werk. „Startkapital“ in Form von Menschen, denen ich folgen könnte, fand ich in dem Blogeintrag  http://www.rete-mirabile.net/lernen/twitter-einstieg-fuer-lehrer/.

Die Hauptansicht bei Twitter besteht aus einem Strom von Kurzmitteilungen – den berühmten erst 140, jetzt 280 Zeichen. Diese Zeichen werden oft um Bilder oder Kurzvideos ergänzt.  Ich hatte angenommen, dass ich nur die Einträge der Nutzer_innen sehen würde, denen ich folge – das stimmt aber nicht, es entsteht eine bunte Mischung von durch mich selbst vernetzten, gesponserten und scheinbar zufälligen Beiträgen. Ich sehe auch nicht jeden Beitrag von Menschen, denen ich folge, weil der Mitteilungsstrom ständig aktualisiert wird. Tweets von vorgestern muten angesichts all dessen, was zwischendrin gepostet wurde, so veraltet an, dass ich mich seltsam dabei fühle, noch auf sie zu reagieren. Aber ich mache das, so, wie ich auch „alte“ Bücher lese: weil sie genauso gut sein können wie jeder Text von heute.

Ich habe mir vorgenommen, v.a. Interessantes aus meinen Projekten DiEDa, nabus und LaSiDig zu twittern. Routiniert im Umgang mit Suchmaschinen hatte ich angenommen, dass ich durch die Eingabe der üblichen Stichworte schnell Menschen finden würde, die an den jeweiligen Themen interessiert sind. Das erwies sich als Trugschluss: natürlich zeigt die Suche etwas an, aber nicht unbedingt das, was ich brauche. Erst nachdem eine Logistikfirma eine Mitteilung von mir aufgriff („retweetete“), fand ich z.B. Speditionen, die Twitter einigermaßen lebhaft nutzen. Diese für mich wichtigen Nutzer_innen interessieren sich aber (noch) nicht für mich, so dass ich ihnen zwar folge, für sie aber vermutlich unsichtbar bleibe, weil sie wiederum nicht meine Follower wurden.

Twitter ist für mich ein Phänomen, das ich erforsche, aber zugleich auch eine Methode, Themen und Menschen zu entdecken. Ich klicke mich z.B. nicht nur durch meinen Mitteilungsstrom, sondern auch durch Tweets der Personen, denen für mich interessante Mikroblogger_innen folgen oder schaue, welche Posts es zu interessanten Hashtags gibt. Die Herausforderungen der Netzwerklogik nehme ich an:  zufälliges Lernen, schräge Mischungen und die Balance zwischen Filterblase und totaler Offenheit.

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