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Reflexionsfragen zum Einsatz digitaler Medien: IM FLOVV

Das IM FLOVV Modell beinhaltet sieben Reflexionsfragen, die sich z.B. Pädagog*innen stellen können, um den Einsatz oder die Nichtnutzung digitaler Medien für ein bestimmtes Lernsetting zu begründen. Es kann auch zur wissenschaftlichen Reflexion digitaler Medien genutzt werden. Die Kernidee des Modells besteht darin, bewusst zu machen, warum z.B. ein digitales Tool verwendet werden soll und wie es so verwendet werden kann, dass die positiven Potentiale des Digitalen auch genutzt werden. Wir haben das Modell im BMBF-geförderten Projekt DiEDa ausgehend von der Forschung von Sherry Turkle formuliert. Turkle ist Professorin am MIT und untersucht seit Jahrzehnten mit interdiszipliänerem und internationalen Blick die mehr oder weniger gelungene Verwendung digitaler Schnittstellen in verschiedenen Lebensbereichen.

 

Update: IM FLOVVV

Durch Diskussionen entwickelte sich das Modell weiter. Zum einen finden wir es wichtig, den Blick auf das digitale Lernarrangement als Ganzes, nicht auf einzelne Tools zu lenken. Zum anderen kommt das Kriterium „Verhältnismäßigkeit“ auf Vorschlag von Martin Lindner dazu.

Bei Twitter kam die Frage auf, ob jede der Reflexionsfragen mit „ja“ zu beantworten sei. Um zu verdeutlichen, dass wir IM FLOVVV nicht als bürokratische Checkliste sehen, sondern als einen Ansatz zur Reflexion, ergänzten wir in den ersten Fragen ein „Inwiefern“ oder „Wie“.

Ein Beispiel, wie wir in Bezug auf unseren Online-Dis-Kurs die (alten) IM FLOVV-Fragen beantwortet haben, findet sich hier: https://h5p.org/node/287804

YouTube als berufliche Weiterbildung?

Einer vielzitierten Umfrage von Jane Hart zufolge ist YouTube eines der beliebtesten digitalen Werkzeug zum Lernen – auch für die berufliche Weiterbildung. Als Begründung dafür nennen die Befragten die Vielseitigkeit der Angebotes in Hinblick auf Thema und Komplexität; die Möglichkeit, Aussagen von ExpertInnen und Praxisbeispiele im Klassenraum zu zeigen und die einfache Handhabung, auch wenn es darum geht, eigene Inhalte vorzustellen. Gertrud Wolf resümiert: „YouTuber unterscheiden sich von herkömmlichen Lehrpersonen dadurch, dass sie nicht mit dem Anspruch antreten, anderen etwas beizubringen, sondern das, was sie können, zu kommunizieren. […] Sie sind selbst begeistert von der Sache, über die sie reden und wollen andere ebenfalls dafür begeistern“. Gudrun Podrath sieht YouTube als „>Schlüsselressource< für jede Art von Weiterbildung“ und ruft Weiterbildungsverantwortliche dazu auf, Hilfestellungen für Lernende im Umgang mit der Videoplattform zu entwickeln.

Im Rahmen des Projektes DiEDa werden wir den Einsatz von YouTube für die berufliche Weiterbildung weiter reflektieren und unsere Ergebnisse an dieser Stelle teilen.

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Drei typische Fallstricke im E-Learning

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Es scheint, dass unterschiedliche E-Learning-Angebote mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind. Eine Umfrage im Rahmen eines MOOCs verweist auf die folgenden typischen drei Fallstricke:

Lonely Learning: Das Potential des Internets liegt in der Vernetzung von Menschen mit ähnlichen Interessen. Dennoch geben viele Lern-Plattformen ihren Nutzer*innen das Gefühl, allein zu sein – es fehlen Feedback, Informationen über die anderen Teilnehmer*innen und Anreize zum gemeinsamen Lernen.

Quick and Dirty: Manche Plattformen und Programme animieren eher zum schnellen Durchklicken und Quiz-Knacken als zum Lernen und Reflektieren. Das scheint auch in der Darstellungsform begründet zu sein – zu lange Texte oder Übungen ermüden. Vor allem aber ärgern sich die Lernenden über die Trivialisierung von Inhalten – sie fühlen sich oft unterfordert und gelangweilt.

User-unfriendly and useless: Im Zeitalter von Augmented Reality erwarten die Nutzer*innen digitaler Medien schöne Plattformen, die intuitiv verwendbar sind und keine Parallelstrukturen zu bestehenden guten Lösungen schaffen.

Quiz als Lernmittel – aber was fragt man da?

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Webseiten wie GoConqr erleichtern es, ein Quiz zu erstellen und z.B. in den eigenen Unterricht/ Blog einzubinden. Doch was macht eigentlich gute Fragen aus?

Zunächst gilt es zu überlegen, welche Funktion das Quiz hat: bereitet es auf einen Kurs/ Inhalt vor oder ist es nachgelagert? Geht es in dem Fall eher um eine Wiederholung des Gelernten oder um das Anregen „epistemologischer Neugierde“ (Paulo Freire)?

Im Feinschliff wird dann abgewogen, je nach Geschmack und Zielgruppe:

  • wie wichtig ist die Passung zum Vortrag/ Lehrzusammenhang?
  • werden die Themen angesprochen, die tatsächlich wesentlich sind, oder eher Nebenschauplätze?
  • ist die Formulierung der Frage (und der Antworten) klar genug?
  • sind die gestellten Fragen (und Antworten) anspruchsvoll genug, so dass sich die Ausfüllenden ernst genommen fühlen?
  • sollen Fakten oder Meinungen gefragt sein?

Hier finden sich weitere Hinweise auf die Gestaltung von Quizfragen:

http://2014.gmw-online.de/200/

http://blogs.articulate.com/e-learning-einfach-gemacht/die-5-gaengigsten-fehler-bei-quizfragen-und-wie-sie-sie-vermeiden-koennen/

Und wenn jemand es wirklich ernst meint mit den Quiz(zen), kann er sie sogar sogar zum Beruf machen: http://magazin.sofatutor.com/schueler/2013/11/08/einer-quizfragen-erfindet-interview-mit-carsten-schnieders/

Lernziele/ Lehrziele variieren

Es gibt – gerade in der beruflichen Weiterbildung – viele Möglichkeiten, die Auswahl der Inhalte und Ziele zu variieren. Als Lehrende/r können Sie z.B.

  1. die Teilnehmenden eher zur Reflexion von Lerninhalten anregen oder eher instrumentell Fertigkeiten vermitteln
  2. eher auf Methoden oder eher auf Inhalte fokussieren,
  3. eher individuelle Handlungsmöglichkeiten oder eher strukturelle Chancen und Barrieren ansprechen,
  4. eher wissenschaftliche Erkenntnisse vorstellen oder eher die Erfahrungen der Teilnehmenden aktivieren.2

Ein Beispiel: In einer Weiterbildung sollen Kompetenzen im Umgang mit digitalen Medien aufgebaut werden. Hier kann – im Sinne des ersten Spannungsfeldes – der Schwerpunkt auf der Reflexion der Bedeutung und von Einsatzmöglichkeiten digitaler Medien liegen, es können aber auch v.a. konkrete einzelne Apps/Webapplikationen praktisch erprobt werden (incl. Klärung von Fragen wie: wie richte ich ein Passwort ein?). Dabei können Sie eher besprechen, wie man den Nutzen eines digitalen Mediums als Methode abschätzt oder den Fokus auf Sachinformationen zu den einzelnen Tools legen (2. Spannungsfeld).  In Hinblick auf das dritte Spannungsfeld kann es eher um digitale Medien als gesellschaftliches Phänomen oder als Herausforderung im (Berufs-)Alltag der einzelnen Teilnehmenden gehen. Im Sinne des vierten Spannungsfeldes kann entweder stärker referiert werden, welche Forschungsergebnisse es zum Einsatz digitaler Medien gibt, oder es können v.a. die Erfahrungen und Einstellungen der Teilnehmenden thematisiert und diskutiert werden.

Jede Ausbalancierung dieser Spannungsfelder kann berechtigt sein. Gelegentlich lohnt es sich zu reflektieren, warum eigentlich bestimmte Entscheidungen in der Gestaltung der Lehrinhalte getroffen wurden und zu hinterfragen, inwiefern sich das bewährt hat.

Als Lernende/r können Sie diese Überlegungen nutzen, um für sich Lernziele präziser benennen zu können.

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So oder lieber so?:

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Diese Überlegungen wurden angeregt von der folgenden Studie:

Haberzeth, Erik (2010): Dimensionen des didaktischen Umgangs mit Wissen im Planungsprozess von Bildungsangeboten. In: Hof, Christiane, Ludwig, Joachim, Schäffer, Burkhard (Hrsg.): Erwachsenenbildung im demographischen und sozialen Wandel. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren, S. 24-38.

 

Lernvideos als Anlässe zur beruflichen Reflexion

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Videos, auf denen Fachleute Tricks und Kniffe erklären, erfreuen sich bei YouTube großer Beliebtheit. Auch in der beruflichen Ausbildung werden selbst gedrehte Filme zunehmend eingesetzt. Doch was können Auszubildende als Novizen in ihrem Fach daraus lernen, wenn MitschülerInnen Videos erstellen? Dem geht der folgende Artikel nach: http://www.bwpat.de/ausgabe/24/luebcke-burchert