Googeln oder in den Apple beißen?

… oder was?

Seit dem Kennenlernen des Flipped Learning-Ansatzes an der Veromäen Koulu geht mir ein Gedanke nicht mehr aus dem Kopf: Die Wahl des „Ökosystems„, wie es die Informatiker*innen nennen, ist eine sehr entscheidende Frage für die Organisation des computer-gestützten Lernens. In unserem Kurs und auch an der Veromäen-Schule ist dabei Google allgegenwärtig (an der Schule sogar in Form von Hardware – wobei sie in einer Klasse gerade auch für Acer deren Tablet „testet“). Nach allem, was wir gesehen haben, macht das auch durchaus Sinn: Google bietet mit der G-Suite, Google-Classroom und Google Drive eine Umgebung, die für den pädagogischen Einsatz durchaus gut geeignet ist – vor allem, weil sie vielseitig anwendbar und dabei trotzdem relativ einfach und Nutzer*innen-freundlich ist – und kollaboratives Arbeit ermöglicht. Und damit ist die Software wesentlich zeitgemäßer als die meisten Learning Management Systeme (wie Moodle, mit dem ich selbst arbeite), in denen kollaborative Elemente (insbesondere synchrone) schlecht ausgebildet sind.

Mir geht es hier gar nicht darum, die bekannten und aus meiner Sicht berechtigten Kritiken an Google oder anderen Konzernen zu wiederholen (Datenschutz, Konzernmacht, …). Mein Punkt ist ein anderer: Gemeinsames zeitgemäßes, computer-unterstütztes Lernen und Lehren in einem komplexen Lernsystem wie einer Schule setzt eine Lernumgebung voraus, für die eine strategische Entscheidung getroffen werden muss. Das ist weniger eine Frage der Hardware (Tablet oder Notebook), sondern der rahmengebenden Software. Dass diese Entscheidung nicht immer so informiert getroffen wird, wie es sinnvoll wäre, wissen wir aus diversen Interviews im Rahmen des DiEDa-Projekts. 
Ich habe außerdem gelernt: Bei einer solchen Entscheidung spielt die User Experience eine wichtige Rolle – und hierbei wiederum, wie „lebensweltlich“ die gewählten Programme und Apps sind. Es macht wenig Sinn, auf ein Lernmanagement-System zu setzen, dass Anwendungen erzwingt, die eher schlecht funktionieren und für deren Zweck die Lernenden vielleicht aus ihrem Alltagsgebrauch bereits viel bessere Tools kennen. Aus dieser Überlegung heraus setzt z.B. einer unserer DiEDa-Interview-Partner auf Office 365.

Am Ende des Tages ist also die Frage: In welchem Ökosystem wird das Lernen organisiert – und dabei ist völlig klar, dass dies ein Markt ist, um dessen Eroberung die großen Konzerne kämpfen: Google, Apple, Microsoft (mit Verspätung). Ihre wichtigsten Türöffner*innen: Lehrer*innen und „Modellschulen“, die ihre Produkte testen und anderen dabei „helfen“, damit zu arbeiten. So sind in Deutschland manche Schul-Medienberater*innen auch „zertifizierte Apple Professional Learning Specialists“ oder „Apple Distinguished Educator“. Google arbeitet genauso – „zertifizierter Trainer“ heißt es dann.

Und sonst so? In Deutschland wird ja die „Schul-Cloud“ entwickelt, die schulübergreifend ein übergreifendes Ökosystem für Schulen (und später als „Bildungscloud“ auch für andere Bildungseinrichtungen) bieten soll. Das System soll offen für Apps von Drittanbietern sein, außerdem sogar Open Source. Aber das mit acht Millionen Euro von der deutschen Bundesregierung geförderte und vom Hasso-Plattner-Institut umgesetzte Projekt wird skeptisch gesehen, wie dieser Beitrag von Philip Banse im Deutschland-Funk zusammen fasst: https://www.deutschlandfunk.de/digitalisierung-in-deutschland-ein-wirrwarr-von-schul-clouds.680.de.html?dram:article_id=420683. 

Vor allem ist die Frage, wann dieses Cloudlösung über die Entwicklungsphase hinauskommt. Denn in der Zwischenzeit treffen Lehrer*innen, Schulen und andere Bildungseinrichtungen Entscheidungen.

Und stehen dabei vor der Frage: Googeln oder in den Apfel beißen?